Mentale Gesundheit betrifft uns alle

Rund um den World Mental Health Day wird aktuell viel über Stress, Resilienz und Burnout gesprochen. Dabei geht es häufig um die Frage, wie wir belastbarer werden und besser mit Druck umgehen können. Doch aus meiner Sicht beginnt mentale Gesundheit nicht mit einer höheren Belastbarkeit, sondern mit der Ehrlichkeit wahrzunehmen, wie es uns wirklich geht. 

Die Zahlen der DEGS1-MH-Studie des Robert Koch-Instituts zeigen, wie relevant das Thema ist: 27,8 % der Erwachsenen in Deutschland erfüllen innerhalb eines Jahres die Kriterien einer psychischen Erkrankung. Das entspricht rund 17,8 Millionen Menschen. Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen zählen Angststörungen (15,3 %). Affektive beziehungsweise Stimmungserkrankungen betreffen 9,8 % der Bevölkerung. Darunter ist die Depression mit 8,2 % eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. 

Anders ausgedrückt: Mehr als jede vierte Person ist innerhalb eines Jahres von einer psychischen Erkrankung betroffen. Und dennoch sprechen viele Menschen erst darüber, wenn die Belastung bereits groß geworden ist. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt mentale Gesundheit nicht als die bloße Abwesenheit von Krankheit. Vielmehr ist mentale Gesundheit ein Zustand des Wohlbefindens, in dem Menschen die Herausforderungen des Lebens bewältigen, ihre Fähigkeiten entfalten, arbeiten, lernen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Mental Health bedeutet also weit mehr als „nicht krank zu sein“. Es bedeutet: mit Belastungen umgehen zu können, die eigenen Ressourcen zu kennen, Beziehungen zu gestalten, Sinn zu erleben und mit sich selbst in Verbindung zu bleiben. 

Wenn das Funktionieren zur Gewohnheit wird 

Viele Menschen sind nicht nur erschöpft von ihrer Arbeit. Sie sind erschöpft davon, ständig Erwartungen zu erfüllen. Sie funktionieren, sie organisieren, sie leisten und kümmern sich. Und dabei verlieren sie manchmal die Verbindung zu sich selbst. Aus neurowissenschaftlicher Sicht ist das nachvollziehbar. Unser Gehirn liebt Gewohnheiten. Es bevorzugt bekannte Muster, vertraute Rollen und automatisierte Entscheidungen. Das spart Energie. Doch genau deshalb laufen wir manchmal auf Autopilot weiter, obwohl das Leben, das wir führen, nicht mehr vollständig zu dem Menschen passt, der wir geworden sind.

Eigenleben als beste Prävention

Für mich bedeutet Eigenleben, einmal innezuhalten und sich ehrlich fragen: Was gibt mir Energie? Was fällt mir leicht? Was kostet mich Energie? Lebe ich mein Leben oder vor allem die Erwartungen anderer? Selbstreflexion ist eine wesentliche Voraussetzung für mentale Gesundheit. 

In eigener Sache 

Das Thema mentale Gesundheit begleitet mich nicht nur in meinen Coachings und Workshops. Deshalb absolviere ich als Psychologische Beraterin aktuell noch eine weitere Weiterbildung zur Psychologischen Ersthelferin. Mir ist es wichtig, psychische Belastungen noch besser zu verstehen, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und Menschen in akuten Krisen kompetent zu unterstützen. Prävention beginnt lange bevor aus Belastung eine Erkrankung wird. 

Was ich dir persönlich wünsche

Einen Moment für die Frage: Lebe ich gerade mein Leben oder vor allem die Erwartungen anderer? Denn vielleicht beginnt mentale Gesundheit genau dort: Mit Ehrlichkeit. Mit Selbstreflexion. Mit dem Mut zum Eigenleben. 

Meine Buch-Empfehlung: „Radikal besser“ von Dr. Frederik G. Pferdt

Mindset-Wechsel statt reiner Theorie: Das Buch liefert keine komplizierten Management-Modelle, sondern konzentriert sich voll auf unsere innere Haltung. Es hilft, die Angst vor dem Unbekannten zu verlieren. Der Autor teilt konkrete, alltagstaugliche Übungen, um mentale Muskeln wie Neugier, Empathie und Experimentierfreude sofort zu trainieren. Als langjähriger Innovationschef bei Google gewährt Pferdt exklusive und inspirierende Einblicke in die Denkweise des Silicon Valley. 

Fazit: Ein optimistisches, leicht verständliches und inspirierendes Buch. Es motiviert dazu, die Zukunft nicht einfach abzuwarten, sondern sie ab heute aktiv selbst zu gestalten. Für alle, die einen mentalen Neustart suchen, für Macher und Gestalter, die im Beruf oder Privatleben kreativer und mutiger agieren wollen, Führungskräfte und Teams, die eine offene, innovative Unternehmenskultur aufbauen möchten und Zukunfts-Skeptiker, die durch den rasanten technologischen Wandel (wie KI) verunsichert sind und neue Orientierung suchen. 

Savoring Today

171 Jahre bis zur Gleichstellung? Warum die Arbeitswelt nicht so lange warten kann! Ich freue mich, dass das Thema Raum im Küchenherde-Podcast finden könnte. Denn 171 Jahre könnte es nach aktuellen Prognosen noch dauern, bis weltweit Geschlechtergleichstellung erreicht ist. Eine Zahl, die kaum vorstellbar erscheint und die zugleich eine unbequeme Frage aufwirft: Wie lange wollen wir eigentlich noch warten? In der aktuellen Folge des Küchenherde Podcasts habe ich mit Darlene Schwabroch und Gastgeber Markus Wessel darüber gesprochen, was Gleichberechtigung für die Hospitality bedeutet, welche besonderen Stärken Frauen in die Branche einbringen und warum Vielfalt kein „Frauenthema“, sondern ein Zukunftsthema ist.  Zur Podcast-Folge.

Welchen schönen Moment möchtest du heute auskosten?

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